Roth InstitutWissensjournal

Burnouts verhindern – durch Jobzufriedenheit und Teamkultur 

Was sind Burnouts? 

Bei Burnouts handelt es sich schon lange nicht mehr um Einzelfälle. Wenn Ihr Unternehmen von diesem psychologischen Syndrom bis jetzt verschont wurde, gehört es zu einer Minderheit. Burnouts und meist damit einhergehende Depressionen landen laut der Deutschen Rentenversicherung (2019) auf dem zweiten Platz der häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit. Das ist nicht nur tragisch für alle Betroffenen, sondern kann einem Unternehmen erheblich schaden. Schon bevor das eigentliche Burnout eintritt, kommt es meist zu einem Abfall der Leistungsfähigkeit. Das daraufhin plötzliche Ausfallen des Mitarbeitenden erfordert eine schnelle Umstrukturierung im Arbeitsbereich, damit dessen Aufgaben überbrückt werden können. Die Ungewissheit, ob er oder sie überhaupt an den Arbeitsplatz zurückkehren kann, macht eine gute strategische Planung unmöglich. Sowohl aus der Perspektive der Mitarbeitenden als auch aus Sicht des Unternehmens muss alles darangesetzt werden, Burnouts bei Mitarbeitenden zu verhindern.

 Entstehung von Burnouts

Die Vorstufe eines Burnouts ist Stress. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um den kurz auftretenden Stress einer herausfordernden Aufgabe oder einer etwas knappen Deadline, sondern um anhaltenden Stress über mehrere Monate hinweg. Die Gefahr von Dauerstress wird besonders deutlich, wenn man einen neurowissenschaftlichen Blick auf das Stresssystem wirft. Der Körper ist eigentlich für den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung geschaffen. Bei Stress und Anspannung schüttet er Adrenalin und Cortisol aus, die einen besonderen Zustand der Wachsamkeit auslösen, um sich auf mögliche spontane Gefahren vorzubereiten und schnell reagieren zu können. Viele im Körper vorhandene Ressourcen werden freigesetzt, um im Notfall das Überleben zu sichern. Aus diesem Grund folgt auf die ressourcenverbrauchende Anspannung die wideraufladende Entspannung. Diese Phase wird durch den Neurotransmitter Serotonin eingeleitet. Der Körper ist darauf angewiesen, dass das Stresssystem, bestehend aus Cortisol und Adrenalin, und das Entspannungs- und Beruhigungssystem, das mit Serotonin zusammenhängt, sich abwechseln und ein Gleichgewicht herstellen. Man kann dies mit einem Akku vergleichen, der unter Belastung entladen wird, aber bevor er komplett leer ist, wieder aufgeladen werden muss. Fehlt die Phase der Wiederaufladung und es kommt zu einer vollständigen Entladung, ist der Akku kaputt. Übertragen auf den Arbeitskontext bedeutet dies, dass verhindert werden muss, dass der Akku der Mitarbeitenden durch Dauerstress vollständig geleert wird und irgendwann kaputt geht. Eine 2020 erschienene Studie hat zwei Faktoren entdeckt, die die Entladung durch Stress reduzieren. 

Im Rahmen dieser Studie erhielt eine Gruppe von Arbeitnehmern eine Befragung mittels Fragebogentests zu ihrer jeweiligen Belastung durch Stress, ihrer persönlichen Jobzufriedenheit und der wahrgenommenen Unterstützung ihres sozialen Umfelds. Zusätzlich wurde ein Test zur Erfassung der Ausprägung verschiedener Burnoutsymptome durchgeführt. Zunächst konnte erneut bestätigt werden, dass das Ausmaß an Stressbelastung mit der Wahrscheinlichkeit für ein Burnout zusammenhängt. Aber auch die anderen Faktoren haben Auswirkungen gezeigt. Die Jobzufriedenheit scheint einen großen Einfluss darauf zu haben, ob Stress zu einem Burnout führt oder nicht. Ist die Zufriedenheit im Job hoch, können scheinbar auch größere Stressbelastungen bewältigt werden, ohne dass sie bleibenden Schaden anrichten. Auch die wahrgenommene soziale Unterstützung spielt eine Rolle. Sie trägt dazu bei, einige Symptome eines Burnouts zu reduzieren und erzeugt vor allem eine höhere Arbeitszufriedenheit. 

Was bedeutet das nun praktisch? 

Um die Entstehung eines Burnouts zu verhindern, muss die schädliche Wirkung von Stress reduziert werden. Faktoren, die dies ermöglichen, sind eine hohe Jobzufriedenheit und soziale Unterstützung. Ein erster Schritt könnte darin bestehen, eine auf Unterstützung ausgelegte Teamkultur zu etablieren. Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, durch ihre Kollegen Rückhalt zu erfahren und auch einmal eine Aufgabe abgeben können, kann das ein erster Schritt in Richtung Entspannung sein. Wie die Studie zeigt, wirkt sich dies auch insgesamt auf die Jobzufriedenheit aus. Diese Art von positivem Sozialkontakt erfüllt wahrscheinlich ein menschliches Bedürfnis und führt zu mehr Zufriedenheit. Die Jobzufriedenheit im Speziellen kann auch durch andere Interventionen beeinflusst werden. Es ist zum Beispiel wichtig, dass das Aufgabenprofil im Job zur Person passt. Wenn eine Person einen sehr dynamischen Persönlichkeitstyp besitzt, der sich vor allem durch den Wunsch, aktiv zu gestalten und Neues zu erleben, definiert, wird sie immer an der Grenze zur Anspannung arbeiten, wenn ihr Hauptaufgabenfeld in der Buchhaltung liegt. Im Gegensatz dazu gerät eine Person mit eher stabiler Persönlichkeit, die gerne gewissenhaft die Buchhaltung machen würde, an ihre Grenzen, wenn sie jeden Tag zum Networking auf Messen und Events geschickt wird. 

Stress ist also nicht gleichbedeutend mit der Entwicklung eines Burnouts. Durch eine unterstützende Teamkultur und eine gute Passung der eigenen Persönlichkeit zu den Aufgaben im Job kann eine zu schnelle Entladung des Akkus verhindert werden. Wenn dann noch auf regelmäßige Zeiten der Entspannung geachtet wird, in denen sich der Akku wieder auflädt, können auch stressige Phasen ohne Probleme gemeistert werden. 

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