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Virtuelle Teams: Fluch oder Segen?

Können wir die persönliche Zusammenarbeit in virtuellen Arbeitswelten wegrationalisieren? Kosten könnte man eine Menge sparen! Doch welche negativen Effekten könnten auftreten? Warum gehen führende Unternehmen wie beispielsweise Yahoo und IBM wieder dazu über Teamarbeit vor Ort zu fördern?

Virtuelle Präsenz

Bedingt durch die Globalisierung, stetig wachsendem Wettbewerb sowie steigendem Kostendruck sind Unternehmen einem sich permanent verändernden Umfeld ausgesetzt. Geschäfte werden über Landesgrenzen hinaus abgeschlossen und Unternehmen konkurrieren nicht mehr nur national miteinander, sondern in einem Wettbewerb auf internationaler Ebene. Immer mehr Unternehmen sind global vertreten und können auf Mitarbeiter verschiedener Niederlassungen zurückgreifen, um ortsunabhängige Arbeitsteams zu bilden. Der Führungskraft fällt dabei eine entscheidende Rolle zu, denn ihre Aufgabe ist die Koordination dieser gesplitteten Arbeitsteams.

Darüber hinaus wirken sich die zunehmende Digitalisierung und die fortschreitende Technisierung auf die Formen der Zusammenarbeit aus. Digitale Tools gewinnen bei der effektiven Reaktion auf Marktveränderungen und beim Aufbau von Wettbewerbsvorteilen immer mehr an Bedeutung. Diese bewirken vor allem eine schnelle, einfache und kostengünstige Kommunikation, Kooperation, Organisation und Produktion.

Virtuelle Teams stellen eine spezielle Form von Arbeitsgruppen dar, die sich im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung und Digitalisierung entwickelt hat. Sie nutzen digitale Tools, um sich zu vernetzen und so eine Zusammenarbeit über geografische, zeitliche und auch organisationale Grenzen hinweg zu ermöglichen.

Vorteile des Einsatzes virtueller Teams

Ein virtuelles Team muss jedoch nicht zwingend geografisch verteilt sein. Auch für lokal agierende Teams bietet die Verwendung digitaler Technologien unterschiedliche Arten der Kommunikation. Der Einsatz virtueller Teams ermöglicht durch die Kombination von positiven Effekten der traditionellen Teamarbeit und dem Einsatz neuer Kommunikationstechniken einige Vorteile:

  • Teammitglieder werden anhand von fachlichen Qualifikationen ausgewählt und dadurch kann Expertenwissen effektiv genutzt werden
  • Es findet eine Erweiterung des „kulturellen Horizonts“ statt
  • Mitarbeiter werden in ihrer Kreativität, Flexibilität und Sensitivität gefördert
  • Kosten für Anwerbung, Büroräume und Reisen werden eingespart
  • Zeitsparende sowie direkte Weitergabe und Dokumentation von Informationen
  • Motivationsgewinn durch größtenteils selbstorganisiertes Arbeiten möglich

 Mögliche Komplikationen

Um virtuelle Teams effektiv einsetzen zu können, müssen sich Führungskräfte den besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten bewusst sein, um effizient auf diese einzugehen und diese ggf. abzuwenden. Herausforderungen können sein:

  • Erhöhter Aufwand für die Koordination von Arbeitsprozessen
  • Motivationsverluste durch technische Probleme, reduzierten face-to-face Kontakt und wachsende Anonymität
  • Das Commitment der Teammitglieder kann durch die Virtualität gedämpft werden
  • Erschwerter Vertrauensaufbau zwischen Teammitgliedern, da Gestik, Mimik etc. weniger wahrgenommen werden können
Laptop Vernetzung

Als Führungskraft richtig mit virtuellen Teams umgehen

Die zunehmende Verbreitung virtueller Teams stellt insbesondere Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Diese kommunizieren dann nicht mehr im persönlichen face-to-face Kontext mit ihren Teammitgliedern, sondern durch digitale Medien. Daher sind gerade bei der Führung von virtuellen Teams die verschiedenen Mitarbeiterpersönlichkeiten zu berücksichtigen und auf diese individuell einzugehen. Bei den Teammitgliedern kommen häufig noch unterschiedliche kulturelle Umwelteinflüsse hinzu, die es zusätzlich zu beachten gilt.

Eine Führungskraft sollte die Zusammenarbeit eines virtuellen Teams so koordinieren, dass Vertrauen und gute Arbeitsbeziehungen entstehen können, auch wenn persönliche Treffen selten oder gar nicht stattfinden. Der Teamzusammenhalt, das Vertrauen und die Motivation der Projektmitglieder sollten durch die Führungskraft verstärkt werden.

Außerdem ist eine explizite und strukturierte Führung wichtig: Die Ziele müssen klar definiert und deutlich kommuniziert werden, Verantwortlichkeiten sind eindeutig festzulegen und die Aufgabenkoordination ist transparent zu gestalten.

Virtuelle Kommunikation kann aber den wichtigen, persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Vertrauen und Vorbildfunktion benötigen vor allem persönliche Interaktion. Insofern kann die virtuelle Kommunikation, Teamarbeit und Führung eine potentielle Ergänzung für den Arbeitsalltag sein. Es darf aber nicht dazu kommen, dass der persönliche Kontakt ausbleibt. Der gewünschte Effizienzeffekt würde entfallen, oder sogar größere Probleme hervorrufen.

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