Roth InstitutWissensjournal

Teamkultur beeinflusst Top Performance

Junges Projektteam am Arbeiten

Welchen Einfluss haben Teamkulturen auf die Zusammenarbeit?

Das effiziente Zusammen-arbeiten von Teams wird in modernen Organisationen immer bedeutender. Zugleich wird dies durch diversifizierte Teams, Digitalisierung und Virtualisierung immer schwieriger. In Gruppen treffen unterschiedliche Charaktere verschiedenen Alters aus sämtlichen Lebenssituationen aufeinander, die alle ihre persönlichen Erfahrungen und Kulturmerkmale mit sich bringen. Doch was verbindet das Team wirklich und verhilft zu einer effizienten Zusammenarbeit? Die Teamkultur.

Die Teamkultur ist es, die die Mitglieder durch geteilte Werte, Gewohnheiten und Verhaltensweisen auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Sie bezeichnet sozusagen das Wesen der Zusammenarbeit und bildet die Basis einer Teamarbeit, für die sich die Beteiligten mit einer hohen Motivation und Leistungsbereitschaft einsetzen. 

Bestimmungsfaktoren der Teamkultur

Es geht dabei um die Fragen:

  • Welche Werte und Ziele vertreten wir?
  • Wie gestalten wir Arbeitsabläufe und Verantwortungsbereiche?
  • Wie soll das Team (hierarchisch) strukturiert sein?
  • Wie treffen wir Entscheidungen?
  • Wie lösen wir auftretende Konflikte?
  • Wie kommunizieren wir im Team?
  • Welche Persönlichkeiten stellen wir ein?

Die Antworten auf diese Fragen ergeben sich aus der Summe der Verhaltensweisen aller Mitglieder, die durch die einzelnen Charaktere und die bestehende Teamkultur sowie bewusst vereinbarte Normen geprägt werden. Eine Reihe von Faktoren wirkt sich auf die Teamkultur aus und bezeichnet zugleich Teile dieser Kultur. Dazu zählt die Motivation der Mitglieder, die vorherrschende Arbeitszufriedenheit, die Fluktuationsrate der Mitarbeiter und der Vorgesetzten sowie der Mehrwert, den das Team für das Unternehmen generiert. Zudem spielen die Fähigkeit des Teams zur Integration neuer Mitglieder sowie die Sympathie zwischen Teammitgliedern, aber auch die Verteilung von Verantwortung und der Vergütung eine Rolle. Auch wenn bei der Untersuchung der Teamkultur eine Flut von Einflussfaktoren beachtet werden muss, ist es möglich, die Kultur – in einem begrenzten Rahmen – in eine gezielte Richtung zu lenken. Dies ist Aufgabe der Führungskraft.

Agiles Arbeiten im Großraumbüro

Der Schlüssel des Erfolgs von Teams liegt darin, sie möglichst heterogen zusammenzusetzen, um die Fähigkeiten und Eigenschaften verschiedener Persönlichkeiten im Zusammenspiel zu nutzen und zugleich eine starke Teamkultur zu entwickeln, die die Zusammenarbeit möglich und effektiv macht. Jede Arbeitsgruppe besitzt alleine durch das Bestehen bereits eine Kultur. Der Erfolg unterscheidet sich dabei dadurch, in welchem Grade ebendiese Kultur förderlich für die Teamarbeit ist. Welcher Ausdruck ist den Teammitgliedern vertrauter: das WIR oder das ICH? Hier ist es die Aufgabe des Unternehmens, eine des erfolgreichen Zusammenwirkens förderliche Kultur sicherzustellen.

Die Rolle der Führungskraft

Die Führungskraft sollte dafür sorgen, dass in der Gruppe gemeinsam eine Vision und Ziele entwickelt werden. Wenn die Ziele selbst erarbeitet wurden, werden sie von den Mitarbeitern auch mit einem stärkeren Anreiz und höherem Engagement verfolgt. In diesem Zuge ist es auch wichtig, zusammen Aufgabenpakete und Verantwortungsbereiche abzustimmen und zu verteilen, die zur Zielerreichung führen. Rollen werden geklärt und Meilensteine festgelegt. All diese Punkte lassen sich zur Sachebene eines Teams zählen, also der Ebene, auf der auf einer Faktenbasis Abmachungen getroffen werden. Ebenso wichtig für den Erfolg eines Teams ist jedoch die Zuwendung zu den zwischenmenschlichen Beziehungen der Teammitglieder. Die Führungskraft hat hier beispielsweise die Aufgabe, Konflikte effektiv zu managen. Nur, wenn das Team die sachlichen und interpersonellen Aspekte gleichermaßen berücksichtigt, kann es von Erfolg gekrönt sein.

Ist dies der Fall und hat das Team gemeinsam Ziele, Regeln und Verhalten festgelegt, liegt es wiederum an der Führungskraft, darauf zu achten, dass sich die resultierenden Verhaltensweisen bei allen Teammitgliedern festigen. Hilfreich ist es dabei, die festgelegten Vereinbarungen regelmäßig anzusprechen. Auch Feedback, das die Führungskraft den Mitarbeitern gibt und diese sich gegenseitig geben, kann zu einer klareren Kommunikation beitragen und Konflikte verhindern. 

Gespräch Mentor mit jungen Menschen

Ein weiterer wichtiger Bestandteil beim Schaffen einer Teamkultur ist es, neue Mitglieder beim Onboarding intensiv in die bestehende Kultur einzuführen. Dazu muss auch die Teamkultur so ausgerichtet sein, dass die Integration neuer Mitglieder ohne jegliche Einbuße für die sachlich sowie interpersonell effektiven Eigenschaften des Teams gelingen kann.

Doch auch im vorhergehenden Schritt der Personalauswahl sollte die Führungskraft bereits eine Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Team schaffen, indem sie die Charaktere der Mitarbeiter berücksichtigt. Prof. Dr. Dr. Roth identifiziert sechs verschiedene Typen von Persönlichkeiten, die sich durch die neurobiologische Entwicklung des Menschen herausbilden. So gibt es einen neurotizistischen Typen, einen extravertierten, einen offenen, einen ehrgeizigen, einen konservativen sowie einen kritischen Typen. Die Neurowissenschaft zeigt, dass sich diese Grundzüge der Persönlichkeit bereits früh herausbilden und Veränderungen im Erwachsenenalter deshalb schwierig sind. Die Führungskraft sollte also wissen, dass sie die Persönlichkeiten der Mitarbeiter nicht einfach durch Ziel- und Wertefestlegungen ändern kann, sondern das Team so zusammensetzen sollte, dass die aufeinandertreffenden Charaktere effektiv gemeinsam handeln können. Auch in einer bestehenden Gruppe wirken sich die Persönlichkeitstypen auf die Effektivität aus. Die Führungskraft sollte aus diesem Grunde die Unterschiede bewusst wahrnehmen und Konflikten vorbeugen, die möglicherweise beim Zusammentreffen verschiedener Persönlichkeiten auftreten.

Zur Förderung einer Teamkultur, in der ein die Zusammenarbeit stärkendes Wir-Gefühl deutlich ausgeprägt ist, kann die Führungskraft zudem Veranstaltungen in Form von Teamevents organisieren, die die Mitglieder auf der Beziehungsebene näher zusammenbringen. Auch eine Wertschätzung der Mitarbeiter begünstigt eine positive Kultur. Diese kann die Führungskraft durch direktes Lob zeigen (hier gilt: lieber belohnen als bestrafen), aber auch durch einen hohen Einsatz für das Team, z.B. bei der Ressourcenallokation und Positionierung der Gruppe vonseiten des Unternehmens oder bei der Übernahme von Verantwortung für das gesamte Team.

Zu guter Letzt liegt es an der Führungskraft, den Teammitgliedern ein Vorbild zu sein und die Teamkultur in all ihren Aspekten zu leben.

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