Roth InstitutWissensjournal

Stress? Kein Problem!

Die zunehmende Präsenz des Themas Stress in Medien und Unternehmen, wie z.B. durch die Implementierung eines Gesundheitsmanagements in den Betrieb, untermauert dessen besondere Bedeutung. Dabei handelt es sich um ein Thema, das sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeiter von enormer Relevanz ist.

Seit 2008 ist wieder ein deutlicher Anstieg in den jährlichen Krankheitstagen zu beobachten. Nicht nur Lebensstil und Gene einer Person bedingen ihre Anfälligkeit für Krankheiten, von besonderer Bedeutung sind dabei auch Arbeitsplatzzufriedenheit, Arbeitsklima und Stress am Arbeitsplatz – Faktoren, die sich beeinflussen lassen. Die durchschnittliche jährliche Krankheitsdauer der Erwerbstätigen in Deutschland betrug im Jahre 2015 10 Tage. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, des Atmungssystems sowie psychische Erkrankungen verursachten dabei einen Großteil der Ausfälle. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2005 sogar um 70 Prozent gestiegen.

Definition Stress

Unter dem Begriff Stress versteht man eine erhöhte Beanspruchung und Belastung psychischer oder physischer Art. Häufig entsteht Stress dann, wenn eine Person eine Aufgabe oder Herausforderung nicht bewältigen kann, weil wichtige Ressourcen, wie beispielsweise Zeit, Arbeitsmittel oder Kenntnisse fehlen. Stress wird von der betroffenen Person nicht nur als unangenehm empfunden, sondern stellt eine regelrechte Bedrohung dar, der nicht ausgewichen werden kann. Im Gegensatz dazu kann aber auch Unterforderung Stress erzeugen.

Die Auswirkungen des Arbeitsplatzes auf die Gesundheit

Ein vollbeschäftigter Arbeitnehmer verbringt den Großteil seines Tages auf der Arbeit. So ist es nicht verwunderlich, dass der Arbeitsplatz und die Wahrnehmung des Arbeitsplatzes einen Einfluss auf die Gesundheit nehmen. So können sich beispielsweise fehlende Entwicklungsmöglichkeiten oder fehlende Autonomie negativ auf die Gesundheit auswirken. Hinzu kommt, dass psychosomatische Beschwerden und emotionale Erschöpfung mit Unzufriedenheit einhergehen können.

Des Weiteren sind mangelnde soziale Unterstützung am Arbeitsplatz sowie Arbeitsplatzunzufriedenheit Risikofaktoren für Rückenschmerzen. Es leiden somit nicht nur die psychische, sondern auch die physische Gesundheit, wenn die Zufriedenheit mit den Umständen am Arbeitsplatz nicht gegeben ist. Sind Mitarbeiter häufig krank ist dies gegebenenfalls nicht allein auf ihre genetischen Veranlagungen und ihren Lebensstil zurückzuführen, sondern auch auf die Umstände am Arbeitsplatz.

Gesundheitsfördernde Elemente

Es ist wichtig, dass sich die Arbeitnehmer am Arbeitsplatz in die sozialen Strukturen integriert fühlen und einen Teil des Teams bilden. Auf diese Weise ist es möglich, die Arbeitsplatzzufriedenheit zu steigern.  Werden einzelne Mitarbeiter aus dem Team ausgeschlossen, steigt die Wahrscheinlichkeit für häufiges Fehlen aufgrund von Erkrankungen für eben jene. Es gilt somit, Raum für vertrauensvolle Nähe herzustellen, der die Option bietet, sich über Unsicherheiten, Schwächen und Fehler auszutauschen, ehrliches Feedback zu erhalten und auf diese Weise Sicherheit aus dem Austausch zu gewinnen.

Außerdem sollten die Führungskräfte den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich, gemäß den Kompetenzen und des Arbeitsplatzes, selbst in den Prozess der Gestaltung einbringen zu können. So wird die wahrgenommene Wertschätzung gesteigert. Von besonderer Relevanz ist das Sicherstellen der Passung von Stelle und Person.  Dabei verweist Prof. Dr. Dr. Roth auf die neurobiologische Verankerung der Resilienz beim Menschen: Die verschiedenen Persönlichkeitstypen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Stressresilienz, was bedeutet, dass jeder Mensch Stress anders verarbeitet und bewältigt. Werden Mitarbeiter hinsichtlich ihrer Persönlichkeit analysiert, wird Unterstützungsbedarf rechtzeitig erkannt und Schulungsmaßnahmen können eingerichtet werden. Die Aufgaben sollten den Mitarbeiter fordern aber nicht überfordern. Scheinen die Aufgaben für den Mitarbeiter nicht zu bewältigen, ist dies eine enorme Quelle für Stresserleben.

Stress bei Führungskräften

Führungskräfte haben nicht nur Einfluss auf den empfundenen Stress ihrer Mitarbeiter, sondern stehen häufig – allein aufgrund ihrer Führungsposition – selber unter Stress. Sie müssen nicht nur den Bedürfnissen und Ansprüchen ihrer Mitarbeiter gerecht werden, sondern auch Ziele und Vorgaben von der Geschäftsleitung umsetzen.

Um dem Stress die Grundlage zu entziehen, sollten Führungskräfte Ziele priorisieren und zwischen wichtigen und unwichtigen Aufgaben unterscheiden können. Mit einem strukturierten Zeitplan, indem auch Privates Platz findet, können sie vermeiden unter Stress zu geraten. Mit gesetzten Zielen und Prioritäten kann eine Balance hergestellt werden. Schaffen Sie sich bei der Aufgabenplanung auch Rückzugsräume und Zeit für sich.

Weiterhin sollten wichtige Entscheidungen trotz zunehmender Unsicherheiten nicht unnötig hinausgezögert oder auf andere Angestellte abgeschoben werden, denn dadurch erhöht sich der Stressfaktor. Delegieren Sie fachliche Aufgaben an Mitarbeiter, sodass Sie sich auf Führungsaufgaben konzentrieren können.

Sagen Sie überzogenen Idealen und perfektionistischen Ansprüchen an sich als Führungskraft ab und reflektieren Sie stattdessen Ihren eigenen Führungsstil, um diesen fortwährend zu verbessern. Aus Fehlern können Sie selbstreflektiert lernen, kollegiale Supervisionsprogramme mit oder ohne externer Unterstützung bieten hierbei weitere Hilfe.

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