Roth InstitutWissensjournal

Richtig entscheiden

Wie treffen wir am besten Entscheidungen? 

Diese Frage wird oft diskutiert und es werden die unterschiedlichsten Ratschläge dazu gegeben: „Lass deinen Verstand walten!“ heißt es traditionell und ebenso häufig: „Hör auf deinen Bauch!“ In einigen Büchern werden zudem simple Verfahren zur Entscheidungsfindung, sogenannte Heuristiken, beschrieben. Doch ist es immer so einfach, richtige Entscheidungen zu treffen? 

  • Worauf sollen wir dabei hören – auf den Verstand oder die Gefühle?
  • Für welche Art von Entscheidung sollten wir welche Vorgehensweise wählen?
  • Wie funktionieren diese Prozesse aus neurobiologischer Sicht? Welche Rolle spielt dabei das Gehirn?
  • Wie nutze ich diese Kenntnisse, um als Personaler oder Führungskraft die besten Entscheidungen zu treffen?
Meeting im Büro

Die unterschiedlichen Antworten auf die Frage, wie man richtig entscheidet, resultieren vermutlich daraus, dass es unzählige verschiedene Entscheidungssituationen gibt. Zum einen geht es um „große“ Entscheidungen wie die Frage, ob ich meine Firma erweitern und neue Mitarbeiter einstellen, einen beträchtlichen Teil meines Vermögens in bestimmte Aktien anlegen oder ein verlockendes Job-Angebot in einer neuen Stadt annehmen soll. Aber auch jeder Einkauf ist mit Entscheidungen verbunden. Im Straßenverkehr müssen wir uns häufig blitzschnell entscheiden, ob wir bei einer Ampel, die auf Gelb umschaltet, Gas geben oder bremsen, ob wir jemanden die Vorfahrt lassen oder nehmen, einen Drängler ignorieren oder ihm drohen. Schließlich trifft unser Gehirn Entscheidungen bei jeder Bewegung, die wir ausführen, z.B. beim Greifen nach einer Kaffeetasse.

Die Hirnforschung sagt uns, dass unser Gehirn immer danach trachtet, Entscheidungsprozesse zu standardisieren und zu routinisieren, sodass immer weniger Aufwand betrieben werden muss und wir ohne großes Nachdenken entscheiden können. Wir beobachten, dass Entscheidungen in neuen und ungewohnten Situationen meist zuerst bewusst und mit viel Nachdenken getroffen werden; wenn wir jedoch wiederholt vor denselben Problemen stehen und unsere früheren Entscheidungen richtig waren, setzt ein Automatisierungsprozess ein und typischerweise zieht sich unser Bewusstsein immer mehr daraus zurück. In unserem Gehirn benötigen bewusste Entscheidungen immer die Mitwirkung der Großhirnrinde. Je mehr aber Entscheidungen und Handlungen automatisiert werden, desto mehr dominieren Strukturen tief im Inneren unseres Gehirns, wie die Basalganglien. Sie repräsentieren unser unbewusstes Handlungsgedächtnis, welches über 90% unserer alltäglichen Entscheidungen bestimmt.

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich eine Einteilung von Entscheidungen in fünf Haupttypen:

  • Automatisierte Entscheidungen
  • Entscheidungen unter Zeitdruck (Bauchentscheidung I)
  • Emotionale Entscheidungen ohne Zeitdruck (Bauchentscheidung II)
  • Reflektierte Entscheidung
  • Aufgeschobene intuitive Entscheidung 

Diese Arten von Entscheidungen haben ganz verschiedene Abläufe. Die einen sind eher rational, die anderen eher emotional, die einen mehr bewusst, die anderen mehr unbewusst, und sie werden durch ganz unterschiedliche Teile unseres Gehirns gesteuert. 

Wir stehen morgens auf, frühstücken, fahren zur Arbeitsstätte, verrichten unser Tageswerk, fahren nach Hause. Viele dieser Handlungen laufen weitgehend automatisiert ab. Wir sind in der Lage, unser Frühstück zu uns zu nehmen, während wir uns mit unserem Lebenspartner unterhalten oder Zeitung zu lesen (oder beides!). Wir entscheiden höchstens, wann, nicht aber wie wir die Bewegungen ausführen. Diese laufen mehr oder weniger automatisiert ab. Oft können wir gar nicht artikulieren, was wir gerade tun.

Voraussetzung hierfür ist, dass die Situationen, in denen wir uns befinden, erstens vertraut, zweitens eingeübt und drittens nicht zu komplex sind, sodass nur Entscheidungen zwischen einfachen Alternativen getroffen werden müssen. Unbewusst arbeitende Teile unseres Gehirns „wissen“, was in welcher Weise zu tun ist.

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