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Neuroleadership

Neuroleadership – Wie Wissenschaft Führung bereichert

Neuroökonomie, Neuromarketing, Neuroleadership – die Hirnforschung trifft auf immer neue Anwendungsfelder und ermöglicht Fortschritte, die mit herkömmlichen Methoden der Managementlehre nicht möglich wären. Der Trend, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen, bietet ungeahnte Potenziale. Doch was verbirgt sich wirklich hinter Neuroleadership und welchen Mehrwert können Unternehmen und Führungskräfte daraus generieren?

Was bedeutet Neuroleadership?

Vereinfacht ausgedrückt beschreibt Neuroleadership das Ideal „gehirngerechter Führung“. Der Anspruch der Forschung besteht darin, durch Kenntnisse und Erkenntnisse der Hirnforschung Führungskräfte in ihren Methoden und ihrem Verhalten zu schulen, um so die Gesundheit und die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern. Neben Themengebieten, wie „Richtig Entscheiden“ oder welche Hirnareale für Motivation & Belohnung verantwortlich sind, ist auch die hohe Veränderbarkeit und Flexibilität des menschlichen Gehirns, die gemeinhin als Neuroplastizität beschrieben wird, interessant. So können bestehende neuronale Verbindungen überarbeitet, aufgelöst oder völlig neue Verbindungen geschaffen werden. Neuroplastizität bildet somit die Basis, um auch nach der Kindheit noch offen und fähig für Veränderungen zu sein.

Leuchtende Glühbirne

Die große Herausforderung der Forschung ist es, die Komplexität des menschlichen Gehirns und seiner Funktionsweise auf anschaulich darzustellen und somit für die Praxis nutzbar zu machen. Dies ist vor allem dank sogenannter bildgebender Verfahren wie beispielsweise der funktionellen Kernspintomographie möglich. Sie ermöglicht es, neuronale Aktivität bestimmten Hirnregionen zuzuordnen und Muster zu identifizieren, die in gewissen Alltagssituationen angesprochen und somit gezielt genutzt werden können.

Das Gehirn als Schaltzentrale

Die Messung solcher Hirnaktivitäten und die Identifikation der zugrunde liegenden Areale zeigt vor allem eines: Das Gehirn überlässt nichts dem Zufall. Für jeden Prozess gibt es verschiedene Regionen, die wiederum in komplexen Systemen miteinander verknüpft sind. So ist der Hippocampus von elementarer Bedeutung für Lernprozesse, während die Amygdala, im Zusammenhang mit dem limbischen System, für das Empfinden und Verankern von Emotionen und Gefühlen verantwortlich ist. Im präfrontalen Cortex kommt es zu finalen Entscheidungsprozessen, die wiederum von den Eindrücken anderer Systeme geprägt sind [siehe Artikel: „Richtig entscheiden“]

Dabei führt jeder Reiz zu einer Reaktion und hinterlässt einen Eindruck im Gehirn. Je häufiger solche Reiz-Reaktions-Ketten auftreten, desto mehr werden sie verinnerlicht. Reagiert eine Führungskraft beispielsweise auf Fehler von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wiederholt mit Bestrafung, so hat dies Folgen: Aufgrund der tief verankerten Erwartung einer Bestrafung steigt die Angst vor Fehlern, es führt zu Vermeidungsverhalten und sowohl Arbeitsbereitschaft als auch Arbeitsleistung sinken. Doch welche Muster sind für solche Abläufe verantwortlich und was bedeutet das für die Praxis? 

Dimensionen des Neuroleaderships

Zwei Dimensionen des Neuroleaderships sind beispielsweise:

  • Das Belohnungssystem
  • Das emotionale System

Die beiden Systeme stehen in Interaktion und wechselseitiger Beziehung zueinander. Das Belohnungssystem beeinflusst das emotionale System und umgekehrt, beide prägen wiederum das menschliche Verhalten. Für die Praxis ist vor allem das Belohnungssystem von immenser Bedeutung, da es unmittelbar mit dem Handeln einer Führungskraft in Verbindung zu bringen ist. Hier gilt: Eine Aktivierung des Belohnungssystems führt gemeinhin dazu, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich wohlfühlen und ihre Motivation zunimmt. Dabei wirken Bedrohungen und Bestrafungen schwerwiegender als Belohnungen: Sie werden gravierender wahrgenommen, üben einen größeren Einfluss aus und bleiben emotional und im Gedächtnis stärker verankert. Dabei behindert das Gefühl von Bedrohung logische Denkprozesse und die Fähigkeit zur Problemlösung und führt zu einer geringeren Effizienz der Denkleistung. Fühlen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich wohl und wertgeschätzt, steigen jedoch Motivation und Arbeitsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit nimmt zu.

Agiles Arbeiten mit Post-its im Büro

Das Ziel von Führungskräften sollte es daher sein, positive Emotionen im Unternehmen zu etablieren, indem nicht auf Bestrafung und strenge Reglementierung gesetzt wird. Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, durch einen sicheren Führungs- und Bindungsstil ein herausforderndes aber auch positives Arbeitsklima zu schaffen. Gleichzeitig müssen durch anerkennendes und wertschätzendes Verhalten die eigenen Angestellten gestärkt werden. Ein vertrauensvoller Umgang und transparente, den Fähigkeiten angepasste Ziele bilden die Basis, um die Autonomie und das Selbstwertgefühl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu steigern. Ein solches Vorgehen fördert im Endeffekt nicht nur die Leistung und die Motivation, sondern auch die Gesundheit und die Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ans Unternehmen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass sich hinter dem Begriff Neuroleadership viele nützliche Elemente und Methoden verbergen, die im Arbeitsalltag eine sinnvolle Ergänzung für Führungskräfte darstellen.

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