Roth InstitutWissensjournal

Es ist Zeit, „Danke“ zu sagen!

Mitarbeiter geben bei Befragungen oft an, dass sie sich mehr Wertschätzung und Anerkennung durch ihre Vorgesetzten wünschen. Mangelnde Wertschätzung demotiviert und schlägt auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Führungskräfte geben bei Befragungen an, sie hätten oft das Gefühl, ihre Wertschätzung und Anerkennung erzielten häufig keinen oder nur einen geringen Effekt. Bei der Betrachtung dieses Sachverhaltes stellen sich folgende Fragen: Wie erreicht man den Mitarbeiter mit seiner Wertschätzung am besten? Kann man wertschätzende Führung lernen? Und wie sieht diese aus?

Wie wirkt sich Wertschätzung auf die Mitarbeiter aus?

Mitarbeiterwertschätzung wirkt sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter aus. Sie ist ein Bestandteil guter Führung und ihr Effekt ist unmittelbar wahrnehmbar. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Führungskräfte durch die „richtige“ Wertschätzung einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter leisten. Hier gilt auch der Umkehrschluss: Wird nicht „richtig“ wertgeschätzt, kann es Mitarbeiter krank machen und die Leistungsbereitschaft schmälern. Steht die Nutzenmaximierung im Vordergrund, fördert man eine starke Fluktuation und senkt die Mitarbeiterbindung enorm. Diese negativen Auswirkungen lassen sich nicht ausschließlich durch mangelnde Selbstmanagementfähigkeit oder ungesunde Ernährung erklären.

Welche Voraussetzungen müssen für die Wertschätzung der Mitarbeiter erfüllt sein?

Viele Führungskräfte bemerken nicht, dass ihre Mitarbeiter mehr Wertschätzung brauchen. Einige sind auch nicht in der Lage, ihre Mitarbeiter „richtig“ wertzuschätzen. Oft fehlt es ihnen jedoch nicht an der Fähigkeit, sondern an dem Wissen und den Methoden. Wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass sich Führungskräfte selbst wertschätzen. Wer sich selbst nicht wertschätzt, legt diesen negativen Maßstab auch anderen an.

Wie schätzt man wirksam und nachhaltig?

Es gibt eine Reihe von Verhaltensweisen wertschätzender Führung, die sich schnell erlernen und mit wenig Aufwand umsetzten lassen. Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, wenn sie das Gefühl haben nützlich für das Unternehmen und/oder ihr Team zu sein. Sie wollen dazugehören, akzeptiert und gebraucht werden. Fühlen sich Mitarbeiter nicht zugehörig, empfinden sie Ablehnung, Unverständnis oder Unsicherheit. Sie fühlen sich ausgegrenzt, überflüssig und als Opfer. Häufig haben sie auch Versagensängste, sind aggressiv und enttäuscht. Geschätzte Mitarbeiter fühlen sich wohl, sind kreativ, haben Ideen und sehen das Positive. Sie sind offen, glücklich, lustig und sehr motiviert.

Welche Möglichkeiten der Wertschätzung gibt es?

Oft reichen schon kleine Gesten aus, um Anerkennung zu vermitteln. Mit freundlichen Blickkontakten, einem Lächeln und einladenden Gesten schafft man ein besseres Miteinander. Wichtig ist auch, dass man auf Mitarbeiter zugeht und an ihnen und ihren Aufgaben Interesse zeigt. Laufen Sie nicht nur von einem Meeting zum nächsten, planen Sie auch Zeit ein, um mit Ihren Mitarbeitern zusammen arbeiten zu können. Hören Sie sich die Vorschläge Ihrer Mitarbeiter an und versuchen Sie, sie in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Meist sind es recht einfache Dinge, die eine bessere Wertschätzung der Mitarbeiter herbeiführen.

Doch nicht jeder Mitarbeiter reagiert auf jede Form der Wertschätzung gleich. Wahrnehmung ist etwas höchst Subjektives und basiert auf den Erfahrungen und der Sozialisierung, sowie der Persönlichkeit jedes einzelnen Mitarbeiters. Manche Mitarbeiter sind zum Beispiel sehr empfänglich für ausgesprochenes Lob andere wollen Zeit mit ihrem Chef verbringen und fühlen sich dadurch wertgeschätzt. Wertschätzung lässt sich grundsätzlich in fünf unterschiedliche Formen gliedern.

Die fünf Formen der Wertschätzung

  1. Lob und Anerkennung
    Wertschätzung sollte auch immer ausgesprochen werden. Nur weil nicht kritisiert wurde, heißt es noch lange nicht, dass alle wissen, dass es eine gelungene Arbeit war. Bedanken Sie sich zum Beispiel für positive Eigenschaften und Verhaltensweisen Ihrer Mitarbeiter. Genauigkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, aber auch Mut, seine kontroverse Meinung zu äußern, sollten verbal anerkannt werden. Die Herausforderung hierbei ist, die Anerkennung ehrlich und aufrichtig zu vermitteln. Ist Ihr Lob nicht glaubwürdig, erzielt es nicht den gewünschten Effekt.
  2. Ungeteilte Aufmerksamkeit
    Hierbei geht es darum, Zeit miteinander zu verbringen und sich besser kennenzulernen. Der Dialog, also der qualitative Austausch und die gemeinsame wertvolle Zeit, stehen hier im Vordergrund. Wirkliches Interesse und echte Aufmerksamkeit sind hier die Schlüsselqualifikationen. Umsetzen lässt sich dies durch Mitarbeitergespräche zu zweit oder in kleinen Gruppen, gemeinsame Mittagessen und bestimmte Verhaltensweisen in Meetings. Besonders wichtig ist, dass Sie so lange zuhören und ihre eigene Perspektive zurückhalten, bis der andere sich wirklich verstanden fühlt.
  3. Geschenke, die von Herzen kommen
    Es sind die „kleinen Dinge“, die ein gutes Miteinander ausmachen. Passende Gesten, kleine Aufmerksamkeiten und Geschenke, die von Herzen kommen, stärken nicht nur das Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Führungskraft, sondern auch zwischen Kollegen. Der wirkliche Wille etwas zu schenken ist hierbei sehr wichtig. Es sollte keine „Standardgeste“ sein. Überlegen Sie sich, was der Mitarbeiter öfter erwähnt hat, was er oder sie gerne hätte, oder worüber er oder sie sich freut. Für die Umsetzung gibt es auch hier viele Möglichkeiten, die mit geringem Aufwand das Arbeitsklima verbessern: Eis an heißen Sommertagen, kleine Aufmerksamkeiten zu Feiertagen und Geburtstagen, handgeschriebene Karten mit persönlichem Inhalt. Die Herausforderung hierbei ist, dass der Andere spürt, dass man sich bei der Auswahl des Geschenks wirklich Gedanken gemacht hat.
  4. Hilfsbereitschaft zeigen
    Sieht man, dass ein Mitarbeiter überlastet ist, sollte man ihm Hilfe anbieten, Aufgaben abnehmen oder die Prioritäten noch einmal durchsprechen und eventuell Aufgaben an Kollegen weitergeben. Hier ist es besonders wichtig auf die Persönlichkeitstypologie der Mitarbeiter zu schauen, um sie ideal zu unterstützen und ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass man ihnen nichts zutrauen würde. Wichtig ist, dass Sie Ihre eigenen Aufgaben und Verantwortungsbereiche gut organisieren, um Zeit für die Hilfestellung zu haben. Fragen Sie vorher, ob Ihre Hilfe erwünscht ist.
  5. Körperlicher Kontakt
    Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wichtig für manche Menschen körperliche Berührung ist. Die Körperkontakte, von denen hier die Rede ist, passieren beiläufig und unbewusst. Der große Vorteil: Sie lassen sich leichter erkennen, da man sie sehen kann. Beispiele sind hier Hand geben, Schulterklopfen und Umarmungen. Besondere Herausforderung hierbei ist es, persönliche Grenzen zu kennen und zu respektieren.

Wie wertschätzt man seine Mitarbeiter richtig?

Wie oben schon erwähnt, wirkt nicht jede Form der Wertschätzung auf jeden Mitarbeiter gleich. Bevorzugen Sie also nicht nur eine Form, sondern denken Sie über Ihre Mitarbeiter nach und überlegen Sie, wer wie auf welche Form reagiert. Probieren Sie einfach die unterschiedlichen Formen aus und beobachten Sie die Wirkung. Im Vorfeld sollten Sie sich bewusst machen, welche Form Sie selbst bevorzugen – das hilft Ihnen dabei, sich für das Thema zu sensibilisieren.

Ausgesprochene und gezeigte Wertschätzung kann mit geringem Aufwand große Wirkung erzielen. Sie steigern damit die Motivation und Gesundheit Ihrer Mitarbeiter. Beides sind Indikatoren für „richtige“ Wertschätzung, die auch verstanden wird. Gleichzeitig sind dies wichtige Faktoren, die das Vorankommen des Unternehmens beeinflussen.

Tipps zum Thema Wertschätzung:

  1. Zeigen Sie echtes Interesse am Leben Ihrer Mitarbeiter.
  2. Sorgen Sie gut für Ihren eignen inneren Ausgleich sowie Ihre Gesundheit und achten Sie auf Ihren eigenen Gefühlszustand.
  3. Hören Sie Ihren Mitarbeitern aufmerksam zu und achten Sie darauf, dass Sie wirklich verstehen, was sie sagen.
  4. Seien Sie geduldig, was Ihre eigenen Fortschritte und die Fortschritte Ihrer Mitarbeiter angeht.
  5. Vermeiden Sie in der Abwesenheit eines Mitarbeiters kritische Aussagen über ihn oder sie.
  6. Geben Sie klar die Richtung vor und seien Sie dabei freundlich.
  7. Richten Sie den Blick bewusst auf das Gute und die Stärken Ihrer Mitarbeiter.
  8. Haben Sie Mut zur Unvollkommenheit und lachen Sie auch mal über sich selbst.
  9. Bei Konflikten sollten Sie sich immer die Frage stellen, was Sie jetzt aktiv tun können.
  10. Nehmen Sie Ihre Führungsaufgaben mit Begeisterung und vollem Engagement wahr.

Fazit

Die innere Einstellung der Führungskraft spielt eine entscheidende Rolle bei der Wertschätzung. Kommt die Anerkennung nur aus dem Verstand, spürt der Empfänger dies und nimmt sie auch nur mit dem Verstand wahr – dadurch geht ein großer Teil der gewünschten Wirkung verloren. Die „richtige“ Form der Wertschätzung für jeden Mitarbeiter zu finden ist wichtig, um das Arbeitsklima nachhaltig, langfristig und erfolgreich zu stärken.

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