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Bauch vs. Kopf – Wie zuverlässig ist unsere Intuition?

Welche Rolle spielt die Intuition in der Führung?

Was ist eigentlich Intuition? Intuition ist ein schwer greifbares Thema, viele bezeichnen sie auch als Bauchgefühl. Mit Intuition ist die Gesamtheit unseres bereits erworbenen Wissens, gespeichert in unserem Gehirn, gemeint. Die Gedanken der Intuition beruhen auf unserem Unterbewusstsein. Diese werden zwar durch unsere eigene Wahrnehmung bestimmt, jedoch können wir uns ihr Zustandekommen in der jeweiligen Situation nicht genau erklären.

Intuition vs. rationale Entscheidung

Albert Einstein sprach seiner Zeit von einem intuitiven und von einem rationalen Verstand:

„Der intuitive Verstand ist ein Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“ Dieses Zitat kennzeichnet eine Entwicklung der Moderne, die sich mehr und mehr auf das analytische Vorgehen verlässt und die „Gabe“ des Menschen, intuitiv zu entscheiden, hinter sich lässt.

Tatsächlich ist die Intuition ein Gefühl, welches sich rational nicht begründen lässt. Oft macht es Menschen Angst, nicht analytisch vorzugehen und ihre Entscheidungen nicht mit Belegen untermauern zu können. An Universitäten wird beispielsweise gelehrt, Entscheidungen rational zu fällen – auf Basis der altbekannten Entscheidungstheorie. Viele scheuen sich daher vor ihrer Intuition und lassen sich durch die Zuhilfenahme von Formeln, Software oder externen Beratern bei ihrer Entscheidungsfindung helfen.

Das ROTH INSTITUT vertritt die Überzeugung, dass sich Führungskräfte öfter von ihrer Intuition, der inneren Eingebung, leiten lassen sollten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass man ganz ohne Intuition nicht viel in der komplexen Welt ausrichten könne. Da die Intuition sich auf unser Langzeitgedächtnis stützt und wir unbewusst weitaus mehr Informationen verrechnen können als bewusst, ist sie ein guter Indikator für unsere Entscheidungen.

Intuition in der Führung

Eine gute Führungskraft erkennt man daran, dass sie mit ihren Führungskompetenzen und ihrem Persönlichkeitstyp ideal auf die Stelle passt. Diese ermittelt man am besten durch eine Analyse der Anforderungen der Stelle und ein leitfadengestütztes Diagnostikinterview. Hierbei lassen sich auch ihre Verhaltensmuster und ihre Fähigkeiten, situativ zu entscheiden ermitteln. Tagtäglich sind Führungskräfte damit konfrontiert, eine Vielzahl an Entscheidungen zu treffen.

Es wird davon ausgegangen, dass jede Führungskraft über eigenes entscheidungsrelevantes Wissen verfügt, dieses speist sich aus dem Langzeitgedächtnis und spiegelt die Summe aller Erfahrungen wider, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt hat. Im Alleingang, so berichten Top Manager, treffen sie zwei Drittel ihrer Entscheidungen intuitiv. Dritten gegenüber sei es jedoch eher verpönt, eine Entscheidung ohne analytisch herbeigeführte Begründung hervorzubringen, da sich die Manager hier im Zwang sehen, ihre Entscheidung vor anderen zu rechtfertigen. Diese Diskrepanz zeigt bereits, dass externe Faktoren existieren, die unsere Entscheidungsfindung maßgeblich beeinflussen.

Wann sollte ich wie entscheiden?

 Bei einer Entscheidungsfindung kommt es zunächst auf den Kontext an, in welchem die Entscheidungen gefällt werden: Während in der Personalauswahl ein intuitives Vorgehen weitestgehend akzeptiert wird, kann auf dieser Basis im Rechnungswesen nicht operiert werden.

 Ebenfalls ausschlaggebend ist, ob es sich um eine komplett neue Situation handelt oder ob auf Grundlage eines bereits vertrauten Sachverhaltes gehandelt wird. Da sich die Intuition aus der Gesamtheit früherer Erfahrungen speist, kann man besonders auf sie vertrauen, wenn es sich um eine bekannte Gegebenheit handelt.

 Unter Zeitdruck oder bei einer begrenzten Anzahl von Informationen lässt sich mithilfe der Intuition ebenfalls hilfreich operieren. Die auf der Intuition basierenden Heuristiken, also Faustregeln zum Entscheiden, werden hier – meist unbewusst – angewendet. Es wird beispielsweise auf Basis von verfügbaren oder leicht erinnerlichen Informationen oder negativ konnotiertem Denken entschieden.

 Fazit: Bei Entscheidungssituationen, die bereits in ähnlicher Weise eintraten und bei sehr komplexen Entscheidungen, lohnt es sich auf die Intuition zu vertrauen. Dennoch kommt es auf die Entscheidungssituation an, ob Sie sich auf Ihre Intuition verlassen oder klassische Entscheidungsregeln anwenden sollten.

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