Roth InstitutWissensjournal

Führung im Wertewandel

Die Arbeitswelt ist im stetigen Wandel, gerade im letzten Jahrzehnt hat sich einiges verändert. Neue Wertvorstellungen und Motive beeinflussen das Berufsleben. Unternehmen sind von zunehmender Dynamik geprägt. Arbeitsprozesse werden immer komplexer und unterliegen zudem einer wachsenden Beschleunigung. So liegt es in der Verantwortung der Führungskraft, einen Ausgleich zu schaffen und die Mitarbeiter durch die steigende Komplexität zu führen. 

Mitarbeiter und das neue Statussymbol Freizeit

Eine klare Trennung zwischen Freizeit und Beruf wird immer seltener in Unternehmen. Laptops und andere mobile Geräte ermöglichen es den Mitarbeitern, nicht mehr nur vom Büro aus, sondern auch von Zuhause, aus einem Café oder dem Urlaub zu arbeiten. Die Führungskraft muss in der Lage sein, diese Flexibilität zuzulassen und sich darauf einzustellen. So verlangen Arbeitnehmer vor allem nach gesteigerter Autonomie, flexibler Arbeitszeitgestaltung, Verantwortungsübernahme ohne Führung und die Möglichkeit, den Karriereweg zu wechseln. Diese Faktoren definieren ein modernes und unterstützendes Arbeitsklima. Ein wichtiges Stichwort lautet hier „Vereinbarkeit“. Damit ist hauptsächlich die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben gemeint. Anstatt materiellen Besitzes werden ein bedeutungsvoller Beruf und die Möglichkeit, diesen mit der Freizeit zu vereinen, zum neuen Statussymbol der unter Dreißigjährigen. Gerade die jüngere Generation (Generation Y) zeigt meist eine erhöhte Leistungsbereitschaft. So ist sie nicht nur besonders ehrgeizig, sondern auch besser ausgebildet als vorherige Generationen. So werden beispielsweise oft mehrere Sprachen fließend gesprochen und Auslandsaufenthalte sind fast schon Normalität im studentischen Lebenslauf. Um diese neuen Vorstellungen von Autonomie und Verantwortung zu bedienen, sollten Führungskräfte sich auf den Wertewandel einstellen. Schließlich profitiert jedes Unternehmen von engagierten, innovativen und kreativen Mitarbeitern.

Werte im Wandel

Die „Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e.V.“ führte zusammen mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance eine umfangreiche Studie zum Thema Unternehmens- und Führungswerte durch. Befragt wurden 200 Führungskräfte aller Altersklassen. Besonders interessant war dabei die Einsicht, dass bestimmte Werte den Unternehmenserfolg maßgeblich steigern können. Dies gaben 85 Prozent der Führungskräfte an. Es wurden unterschiedliche Werte in verschiedenen Unternehmensbereichen betrachtet und deren Wirkung auf den Unternehmenserfolg untersucht. Faktoren wie Mitarbeiterbindung, Unternehmenskultur und Reputationspflege wurden besonders hoch bewertet. Dabei wurde die Unternehmenskultur vor allem von den jüngeren Führungskräften (86 Prozent) als erfolgsentscheidend betrachtet. 85 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, dass folgende Werte besonders wichtig seien:

1.      Vertrauen (78 Prozent)

2.      Integrität (76 Prozent)

3.      Verantwortung (65 Prozent)

4.      Respekt (58 Prozent)

5.      Mut und Nachhaltigkeit (je 31 Prozent)

Hier wird der Wandel deutlich, den Unternehmen durchlaufen. So übersteigt nun der Wert Vertrauen den Wert der Verantwortung deutlich. Bei der ersten Befragung durch die Wertekommission belegte die Verantwortung noch den Spitzenplatz. Auch lassen sich Veränderungen in Hinblick auf die Integrität feststellen. Laut der Studie nimmt der Wert der Integrität anhaltend zu. Der viel in den Medien diskutierte Wert der Nachhaltigkeit ist steigend, jedoch nicht so stark wie erwartet. Weitere zentrale Führungswerte sind glaubwürdiges Handeln, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Diese wurden als besonders wichtig in Bezug auf das Handeln im Arbeitsalltag angesehen.

Die oben genannten Werte lassen bereits erkennen, dass strenge Hierarchiemodelle, Kontrollen und eine zu starke Orientierung am Leistungsgedanken kontraproduktiv sein können. Eine Führungskraft ist heutzutage erfolgreicher, wenn sie Wert auf die Kooperationsbereitschaft und das Schaffen einer Vertrauenskultur legt. Die Werte Vertrauen und Integrität äußern sich beispielsweise in Entscheidungsprozessen, in die Mitarbeiter miteinbezogen werden und in der Übertragung von verantwortungsvolleren Aufgaben. So schafft die Führungskraft Raum für Transparenz und respektvolles Verhalten untereinander. Dementsprechend sind durch den Wandel verstärkt Fähigkeiten wie Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit gefordert. Betrachtet man diese Werte in Hinblick auf die Generation Y, lässt sich feststellen, dass sie mit den Wünschen bezüglich der freien Arbeitszeitgestaltung, der Übernahme von mehr Verantwortung und Autonomie übereinstimmen. So steht der Mitarbeiter als Mensch mehr denn je im Vordergrund.

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