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Feedbackgespräche mit Effekt

Feedbackgespräche sind weit mehr als einfache Unterhaltungen – sie sind ein zentraler Baustein für Wachstum, Motivation und die Entwicklung eines Unternehmens. Regelmäßige, gut durchdachte Feedbackgespräche sind entscheidend, um das Potenzial der Mitarbeitenden voll auszuschöpfen. Diese Gespräche, die mindestens einmal pro Jahr stattfinden sollten, bieten eine Plattform für konstruktive Rückmeldungen. Hierbei teilen Vorgesetzte ihre Sichtweisen, erkennen die Leistungen der Mitarbeitenden an und sprechen auch kritische Punkte an. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Optimierung und hebt ungenutztes Potenzial hervor.

Vorgesetzte, die aus einer externen Perspektive agieren, können oft Potenziale erkennen, die den Mitarbeitenden selbst noch nicht bewusst sind. Die Herausforderung besteht jedoch darin, Kritik so zu formulieren, dass sie motivierend wirkt und positive Veränderungen fördert. In einer Studie von Amadeus Fire und der Friedrich-Alexander Universität gaben 94 % der Befragten an, dass sie Feedbackgespräche mit Vorgesetzten generell für sinnvoll erachten. Jedoch führen Feedbackgespräche im Nachgang bei knapp der Hälfte nicht zu konkreten Ergebnissen (Workwise, 2023). Dies verdeutlicht, dass Feedbackgespräche ein hohes Potential besitzen, jedoch häufig nicht effektiv genutzt werden. Um dies zu ändern, ist es hilfreich zu verstehen, wie Feedback im menschlichen Gehirn aufgenommen wird und wie es dazu beiträgt, die Arbeitsweisen der Mitarbeitenden zu optimieren.

Was genau passiert im Gehirn, wenn wir positives und negatives Feedback erhalten?

Jede Person reagiert unterschiedlich auf Feedback, beeinflusst durch die Art der Rückmeldung, die eigene Persönlichkeit und bisherige Erfahrungen. Im Gehirn löst Feedback eine komplexe emotionale Reaktion aus: Positives Feedback kann Freude, Glück oder Zufriedenheit hervorrufen, während negatives Feedback Gefühle wie Frustration, Traurigkeit oder Ärger auslösen kann.

Darüber hinaus setzt Feedback einen komplexen Verarbeitungsprozess im Gehirn in Gang. Zuerst wird das Feedback analysiert, um zu bestimmen, wie es sich zu bisherigem Verhalten und Entscheidungen verhält, was oft die genannten emotionalen Reaktionen auslöst. Anschließend wird es im Gehirn gespeichert und mit früheren Erfahrungen und Informationen verknüpft. Positives Feedback aktiviert beispielsweise das Belohnungssystem, insbesondere den Nucleus accumbens, was Motivation fördert und zur Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen anregt. Feedback kann auch erheblichen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung einer Person nehmen. Insbesondere negatives Feedback wirkt auf den präfrontalen Kortex, der eng mit Selbstreflexion und Selbstregulation verbunden ist, und kann Unsicherheit verursachen (Polti et al, 2022). Was zeichnet nun also ein optimales Feedback aus, das im Nachhinein effektiv zur Optimierung des Mitarbeitenden beiträgt und diesen motiviert?

Konstruktives vs. destruktives Feedback

Konstruktives Feedback ist darauf ausgerichtet, die Leistung und das Verhalten eines Mitarbeitenden nachhaltig zu optimieren. Mit diesen Tipps können Sie Ihr Feedback konstruktiv vermitteln (Suman, 2023):

  • Klare und spezifische Ratschläge zur Verbesserung bieten.
  • Positive Formulierungen verwenden, um Mitarbeitende zur Weiterentwicklung zu ermutigen.
  • Präzise Informationen über Erfolge und Verbesserungspotenzial liefern.
  • Empathische und respektvolle Übermittlung des Feedbacks.
  • Schwerpunkt auf der Unterstützung des Mitarbeitenden und dem Ausbau seines Selbstvertrauens.
  • Rolle als Unterstützer und nicht als Kritiker einnehmen.

Im Gegensatz dazu kann destruktives Feedback dazu führen, dass eine Person sich unwohl oder entmutigt fühlt. Vermeiden Sie deshalb folgende Punkte in Feedbackgesprächen (Suman, 2023):

  • Verwendung negativer Formulierungen, die Schwächen und Fehler in den Vordergrund stellen und keine Anerkennung für positive Aspekte bieten.
  • Vage und unklare Rückmeldungen ohne konkrete Hinweise auf Fehler und Verbesserungen.
  • Vernachlässigung des Selbstwertgefühls des Mitarbeitenden, was sehr verletzend sein kann.
  • Fokus ausschließlich auf Problemen und Schwächen, ohne konkrete Lösungen oder Unterstützung anzubieten.

Kontinuität in Gesprächen

Optimalerweise sollten Feedbackgespräche regelmäßig nach einem festgelegten Zeitplan stattfinden, etwa halbjährlich oder jährlich. Zudem kann es nützlich sein, solche Gespräche vor dem Abschluss größerer Projekte oder anderen wichtigen Meilensteinen zu führen. Dies ermöglicht nicht nur Fehler frühzeitig zu erkennen und zu beheben, sondern fördert auch die Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen und verbessert die Qualität ihrer Leistungen.

Die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Feedback geben, spielt eine entscheidende Rolle für unser berufliches Wachstum und unsere Motivation. Als Führungskraft ist es daher essenziell, die Planung und Durchführung von Feedbackgesprächen zu beherrschen. Zögern Sie nicht, regelmäßig Feedbackgespräche zu initiieren! Wenn konstruktiv durchgeführt, kann Feedback tiefgreifende und positive Veränderungen bewirken. Bedenken Sie dabei: Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeitenden hält solche Gespräche für wertvoll und gewinnbringend.

 

Literatur:

Polti et al., 2022: Rapid encoding task regularities in the human hippocampus guides sensorimotor timing. URL: Rapid encoding of task regularities in the human hippocampus guides sensorimotor timing | eLife (elifesciences.org)

Suman, 2023: Implication of Feedback and Praise on Mindset. URL: Implication of Feedback and Praise on Mindset (zenodo.org)

Workwise, 2023: Feedbackgespräch als Mitarbeiter vorbereiten. URL: Feedbackgespräch als Mitarbeiter vorbereiten [inkl. Beispiele] (workwise.io)

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