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Wie die digitale Transformation gelingt

Digitale Teams, Skype Konferenzen, vernetzte Geräte und intelligente Software – dies sind nur ein paar Beispiele für die voranschreitende Digitalisierung, die auch in Unternehmen Einzug hält. Dabei werden Kunden-verhalten, Markt- und Wettbewerbssituation und Unternehmen an sich völlig neu strukturiert. Doch welche Konsequenzen sind wirklich mit der Digitalisierung in Unternehmen verbunden und welche Chancen und Risiken birgt diese Entwicklung?

Die Chancen für Unternehmen

Die Implementierung digitaler Technologien in Unternehmen ermöglicht es, viele Bereiche umzustrukturieren und zu optimieren. Leicht beeinflussbare menschliche Entscheidungen können durch Statistiken, Optimierungs- und Wahrscheinlichkeitsrechnungen ersetzt werden. Software und Roboter verarbeiten nicht nur eine größere Menge an Daten und Informationen, sie verarbeiten diese auch schneller und effizienter als ihre menschlichen Kollegen. Sie leiden nicht unter Müdigkeit und werden, abgesehen von technischen Problemen, nicht arbeitsunfähig.

An zahlreichen Beispielen lässt sich der sinnvolle Einsatz von digitalen Technologien nachweisen. Der „DaVinci-Chirurgieroboter“ führt komplizierte Operationsschritte durch, wodurch menschliche Fehler wie das Zittern der Hände oder das Abrutschen mit dem Skalpell verhindert und die Sicherheit des Patienten garantiert werden sollen. Im Militär wird die Technologie eingesetzt, um verdächtige Gegenstände oder Räume zu inspizieren oder nach nuklearen Unfällen aufzuräumen.

Besonders die Industrie 4.0 erlebt eine starke technologische Entwicklung. Völlig neue Technologien verdrängen herkömmliche Arbeitsweisen und verändern Einkommen, Konsum, Arbeit an sich sowie soziale und wirtschaftliche Strukturen. Dies zeigt sich u.a. im Karosseriebau, wo der Einsatz von Robotern besonders attraktiv ist und diese bereits 60% aller Fertigungstätigkeiten übernehmen. Die Roboter bauen beispielsweise besonders schwere Elemente in Autos ein, sodass der Mensch von körperlich belastenden Tätigkeiten befreit wird.

Es zeigt sich, dass digitale Technologien als „kleine Helfer“ den Menschen von körperlich anstrengenden oder auch gesundheitsgefährdenden Arbeiten, wie beispielsweise in großen Werkshallen, entlasten können. So können ohnehin unattraktive Stellen abgebaut werden. Der Mensch kann angenehmere Tätigkeiten übernehmen und über die Technologie walten anstatt selbst vor Ort aktiv zu werden. Der Angestellte fällt nun übergeordnete Entscheidungen und schreitet nur noch ein, sobald Unvorhergesehenes geschieht oder Fehler auftreten.

Auch im Dienstleistungsbereich bietet die digitale Transformation neben der Effizienzsteigerung und Kostenreduktion völlig neue Möglichkeiten zur Differenzierung. So ist sie ein wesentlicher Treiber von Produkt- und Service-Innovationen, trägt damit auch zur Umsatzsteigerung bei, und erlaubt den Unternehmen, über eine Vielzahl von Kanälen mit den Kunden in Kontakt zu treten. Hat ein modebewusster Kunde früher noch einmal in drei Monaten im Geschäft gekauft, steht dieser heute über die Online Shopping App dreimal die Woche mit seinem präferierten Bekleidungsgeschäft in Verbindung. Durch eine solche Multikanal-Strategie können wertvolle Consumer Insights generiert werden, die als Orientierungslinien für Marketingkonzeptionen und –strategien fungieren. Gleichzeitig erhöht ein kanalübergreifendes Leistungsangebot und Kundenerlebnis die Kundenbindung und damit die Konkurrenzfähigkeit.

Risiken der Digitalisierung

Nicht von der Hand zu weisen sind die Freisetzungseffekte bei der digitalen Transformation. Nicht nur handwerklich ausgebildetes Personal in der Produktionshalle wird teilweise obsolet, sondern auch akademische Berufe wie die des Anwaltes oder Chirurgen können mehr und mehr rationalisiert werden. Diese Freisetzungseffekte seien jedoch zu relativieren, da durch die Digitalisierung neue Tätigkeiten und Arbeitsplätze entstünden. Außerdem käme es zu einer Aufwertung der Qualifikationen.

War die Welt früher noch stabil und voller Gewissheiten, ist sie heute ständig in Bewegung. Werden Chancen und Veränderungen nicht rechtzeitig erkannt, kann dies nicht nur zu Umsatzeinbußen sondern auch zur völligen Verdrängung vom Markt führen. Die Digitalisierung betrifft nicht ausschließlich Konsumgüter.

Darüber hinaus erweitert der Online Handel die Angebote und Optionen für Kunden und Konsumenten, die sich nun umfassend informieren, Preise vergleichen und Erfahrungsberichte lesen können. Dadurch wird die Position des Kunden gegenüber dem Unternehmen deutlich gestärkt. Produkte können einfach und schnell global erworben werden, wodurch sich vor allem das traditionelle Ladengeschäft vor Ort bedroht sieht.

Weiterhin müssen Unternehmen mit einem größeren Wettbewerberumfeld rechnen. Zunehmend erscheinen neue Wettbewerber auf dem Markt, wie z.B. durch zahlreiche Start-Ups oder Nischenanbieter.

Wie die digitale Transformation gelingt

Die Unternehmensspitze muss die digitale Transformation priorisieren und vorantreiben. Hierzu bedarf es eines individuell passenden Konzeptes. In der intelligenten Umsetzung der Digitalisierung liegt das Potenzial für Unternehmen. Durch Schulungen und Einarbeitungsmaßnahmen können die Mitarbeiter auf die Umstellung vorbereitet sowie Vorurteile abgebaut werden. Ein professioneller Change Prozess muss die Transformation begleiten, da es sich nicht mehr nur um kleine Änderungen handelt. Hierzu müssen vor allem auch die operativen Führungskräfte speziell auf Ihre Aufgaben in der Transformation geschult werden.

Im Voraus sollten Erwartungen und Anforderungen von Kunden und Stakeholdern analysiert werden, um diesen gerecht zu werden und bedarfsorientierte Produkte zu entwickeln. Bestehende Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen sollten ebenfalls auf einen sinnvollen Einsatz digitaler Medien und Techniken überprüft werden.

Viele Netzwerke und soziale Medien haben eine herausragende Position im Alltag eingenommen. Für Unternehmen empfiehlt es sich, auch hier präsent zu sein oder eine eigene Plattform zu entwickeln, um Kunden und Partner besser zu erreichen.

In großen Betrieben sollte die IT Infrastruktur auf die erheblichen Datenmengen vorbereitet sein und von entsprechenden Experten verwaltet, fortlaufend überprüft sowie verbessert werden. Dabei spielt auch die Sicherheit des Systems eine zentrale Rolle.

Fazit

Die digitale Transformation in Unternehmen hält weitreichende Chancen bereit, wie z.B. unattraktive Tätigkeiten von Maschinen und Software übernehmen zu lassen oder in besonders ausdauernden Tätigkeiten auf die fehlerfreien, nicht ermüdenden Roboter zu setzen. Aber auch im Dienstleistungsbereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, von der Digitalisierung zu profitieren. Produkte können auf Kundenanforderungen zugeschnitten werden, durch vernetzte Geräte und soziale Netzwerke ist eine reibungslose Kommunikation intern und extern garantiert.

Nichtsdestotrotz bleibt die Implementierung digitaler Technologien eine kostenaufwendige Angelegenheit, deren Nutzen sich erst ergibt, wenn die Technologien gut strukturiert und geplant eingeführt werden. Mitarbeiter müssen entsprechend geschult und von einem starken Management im Change Prozess geführt werden.

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