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Mensch-Maschine-Interaktion

Die Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) beschreibt die wechselseitige Beziehung zwischen Menschen und Maschinen, wobei Maschinen häufig Computer bzw. Informations- und Kommunikationstechnologien, Anwendungs-, oder Informationssysteme, sowie technische Produkte sein können. Der Trend der zunehmenden Digitalisierung der Arbeits-, und Lebenswelt bringt eine zunehmende Interaktion zwischen Menschen und Maschinen mit sich. Die Digitalisierung wird nicht nur in der Arbeitswelt zunehmend präsenter. Auch im privaten Umfeld, durch Sprachsteuerung und Begleiter, den sogenannten digital companions, gewinnt sie vermehrt an Bedeutung. Diese Produkte sprechen neben den praktischen Bedürfnissen auch die emotionale Ebene der BenutzerInnen an. Hier liegen die Chancen insbesondere in der Produktentwicklung für Unternehmen. Soll die Interaktion erfolgreich sein, muss der Mensch das Produkt akzeptieren und Vertrauen aufbauen. Veränderungsangst zu reduzieren und eine Akzeptanz auf unbewusster Ebene herzustellen, bedarf Kenntnisse über neurobiologische und psychologische Abläufe.

Maschinen als Kollegen – Welche Herausforderungen birgt die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine?

Nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im beruflichen Umfeld hält der Aspekt Mensch-Maschine-Interaktion Einzug. Viele Beschäftigte werden in der Zukunft mit neuen digitalen Kollegen konfrontiert.

Durch die Digitale Revolution werden Menschen in der Zukunft zum Teil durch Roboter ersetzt. Algorithmen entwickeln in Teilbereichen effektivere Lösungen als Menschen und parallel dazu sind technische Systeme, die in Unternehmen implementiert werden, sind für Arbeitnehmer immer schwieriger nachzuvollziehen und zu handhaben.

Arbeitnehmer empfinden diese Veränderungen sehr unterschiedlich:

1. Einige sehen ihre persönliche Arbeitsidentität durch die zunehmende Automatisierung bedroht, da die neuesten Technologien ihnen genau die Arbeit abnehmen, die sie zuvor selbst bewältigten. Aus dieser schöpften sie Anerkennung und Stolz. Viele MitarbeiterInnen sind demnach gezwungen, sich neue Aufgabenfelder zu suchen, in denen sie „glänzen“ können. Deutlich wird hier, dass eine Führungskraft darauf achten sollte, ihre MitarbeiterInnen weiterhin geistig zu fordern, gerade, wenn ihnen die anspruchsvollen Aufgaben durch intelligente Computerprogramme abgenommen werden.

Der digitale Wandel führt also nicht nur dazu, dass sich ArbeitnehmerInnen zunehmend quantitativ, sondern auch qualitativ, unterfordert fühlen können. Die Arbeitsstelle, die sie vor 10 oder 20 Jahren antraten ist nun nicht mehr dieselbe – und möglicherweise hebt sie die wahren Fähigkeiten der MitarbeiterInnen nicht mehr hervor. Eine schwindende Arbeitsmotivation kann die Folge sein.

2. Natürlich kann auch das Gegenteil zutreffen: Insbesondere ältere ArbeitnehmerInnen fühlen sich infolge der technischen Neuerungen oft überfordert und möchten sich den Veränderungen nicht anpassen. Hier ist es wichtig, diese früh in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen und  angemessen zu schulen.

3. Ein Teil der Belegschaft könnte die computerisierte Unterstützung dennoch auch als große Hilfestellung empfinden, die dem ohnehin schon überlasteten Individuum einen großen Teil der Arbeit abnimmt und ihn sich auf die wichtigsten Aufgaben konzentrieren lässt.

Die Maschine als Kollege kann also als Konkurrent, Feind oder Freund angesehen werden. In jedem Falle aber sollte eine Führungskraft sich darüber bewusst sein, ob die Belegschaft den technischen Wandel annimmt, oder auch nicht. Hier ist eine Involvierung der Mitarbeiter sehr wichtig, um sie in den Prozess einzubinden und sie für die zunehmende Veränderung zugänglich zu machen.

Die Maschine wird nie Ersatz für den Menschen sein

Die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zwar noch weiter intensivieren, dennoch besteht kein Grund zur Sorge, dass computerisierte Lösungen den Menschen irgendwann komplett ersetzen. Das Humankapital wird nach wie vor die wichtigste Ressource im Unternehmen bleiben. Soziale Kompetenz, flexibles Handeln, Kreativität und Empathie werden von Maschinen niemals erzeugt werden können. Und gerade diese Eigenschaften sind es, die den Erfolg eines Unternehmens stark beeinflussen. Vor allem die mit diesen Eigenschaften im Zusammenhang stehenden konzeptionellen, kommunikativen, kreativen und führenden Leistungen können durch Maschinen nicht erreicht werden.

Maschinen müssen nach wie vor von Menschen kontrolliert, gewartet und aktualisiert werden. Aus diesem Grund werden sie allenfalls als Unterstützung dienen. Dennoch müssen sich Arbeitnehmer zunehmend darauf einstellen, sie als Kollegen zu akzeptieren und den Umgang mit ihnen zu lernen. Wichtigste Aufgabe der Führungskräfte in diesem Change Prozess ist es, die Menschen zu involvieren und den Nutzen hinlänglich zu verdeutlichen. Verpasst man die Chance, wird dieses Thema ein dauerhaftes Konfliktpotenzial bergen.

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